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Freitag, 18 Mai 2012

Studientag 2012

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STUDIENTAG DER GFB 2012

„Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo Du stehst, ist heiliger Boden.“ (Ex 3,4)

Ich bin Pharao. Hinter mir das Volk. Erschöpft, pragmatisch, zu müde zum Kämpfen, geduldig in der Arbeit. Ich bin Pharao. Ich erschaffe Unvergängliches für alle Zeiten. Einzelschicksale sind nicht wichtig, letztlich auch nicht mein eigenes. Ich habe das Große und das Ganze im Blick. Ich bin berufen zu weltverändernden Taten, verantwortlich Kraft meiner Geburt. Ich drücke mich nicht vor der Verantwortung. Ich bin Pharao.

Diagonal durch den Raum bin ich verbunden mit einer anderen Kraft. Sie nährt mich, ist mein Urgrund, nicht gegen mich, aber unabhängig von mir. Ich bin es gewöhnt, das alle und alles von mir abhängig ist. Und doch ist diese Quelle unerlässlich, aus der sich meine Kraft, mein Feuer speist.


Dies ist ein kleiner Einblick in meine ganz eigenen Erfahrungen, die ich im Bibliodrama am diesjährigen Studientag der GfB am 15. Januar 2012 machte. Erfahrungen, wie sie das Bibliodrama ermöglicht, das immer wieder geeignet ist, die Dinge in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Aus dem Text herauslesen hätte ich diese mögliche Wirklichkeit schwer können, dass da diese Verbindung ist, zwischen dem brennenden Dornbusch und dem Pharao. Viele vergleichbare individuelle Denkanstöße gab es an diesem Tag, die dann in gemeinsamer nachdenklicher Reflexion zusammen fließen konnten.

Ausgerichtet und geleitet wurde der Studientag vom Team des Geistlichen Zentrums der Pallotiner in Vallendar mit der Bibliodrama-Methode nach Andriessen/Derksen. 44 Teilnehmer waren dieses Mal dabei. Zuerst wurden in einem Vortrag die besonderen Merkmale dieses Ansatzes dargestellt.

Anschließend wurde in zwei Teilgruppen gespielt.

Für mich waren zwei Punkte besonders bedeutsam, weil unterschiedlich zu mir bisher bekannten Ansätzen: die Bezeichnung von Bibliodrama als Seelsorge und die Position der Leitung, die durchgängig „ Anwalt des Textes“ ist, was ein direktes Eingreifen ins Spiel durch die Leitung und in zum Teil vorher festgelegten Rollen der Co-Leitung vorsieht.

Hierzu gab es auch im anschließenden Reflexionsgespräch einiges an Diskussion zur Methode und zum Begriff der Seelsorge. Die Frage bleibt: brauchen biblische Texte einen Anwalt oder setzen sie sich durch, und ist es eher die Aufgabe der Leitenden, die Beziehung zum Text als Rahmen zu wahren?

Ein Phänomen, das im Gespräch deutlich wurde, war die Schwierigkeit, unterschiedliche Ansätze trennscharf zu beschreiben. Ein schlichtes „wir machen das so“ und „ihr macht das so“, war dabei nicht zu haben. Auch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Studientages gibt es viele Unterschiede in Ausbildung und Umsetzung, die nicht näher beleuchtet wurden. Ich ging aus der Diskussion mit dem Gefühl heraus, dass es immer in erster Linie auf Achtsamkeit und Nondirektivität der Leitenden ankommt und weniger auf den jeweiligen Ansatz.

Gerade diese Vielfalt schafft den angemessenen Freiraum für Erfahrungen und Funkenflug...


Ingeborg Kleen