Gesellschaft für Bibliodrama

Deutscher Bibliodramatag

Was ein Besen alles sein kann – mit Humor ins Bibliodrama
Daniela Achtstetter

Referentinnen:  Clowninnen und Bibliodramatikerinnen Eva Stattaus, Studienleiterin am Pädagogisch-Theologischen Institut der Nordkirche, Greifswald; Sieglinde Erben-Rickelt, Religions- u. Theaterpäd. Barth; Sindy Altenburg, Pastorin Dreveskirchen

Wir trafen uns zum jährlichen Bibliodramatag in Bielefeld – Bethel – viele altbekannte Gesichter, teils neue, um gemeinsam Neues zu wagen. „Mit Humor ins Bibliodrama – Anstöße aus der Clownerie“. Ein schon lange erwogenes Thema fand nun in diesem Jahr endlich einen ersten Versuch. Wie oft schon war dieses Thema Wunsch vieler Bibliodramateilnehmerinnen und -teilnehmer. Jetzt wagten wir es und – ich nehme es mal vorweg – mit tollem Erfolg.

Schon die Einladung machte neugierig. „Ich würde sogar so weit gehen und die vier Elemente um ein fünfte erweitern: den Humor (Clown Dimitri)“. Eine Mail kurz vor Beginn des Wochenendes mit der Bitte darum, u.a. einen Besen mitzubringen, steigerte diese Neugier und die Vorfreude insbesondere. Und was brachten wir dann für „Besen“ mit: alte, sehr oft genutzte; sehr hübsche; Handfeger aller couleur, Toilettenbrüsten; Heizungsbürsten; Pinselähnliches; Zahnbürsten; … Es können an dieser Stelle gar nicht alle verschiedenen Charaktere genannt werden, aber man kann sich denken, dass bei so vielen erfahrenen Bibliodramatikerinnen und Bibliodramatikern alle Besenarten ihren Auftritt hatten.
Christoph begrüßte uns alle herzlich im Assapheum im Tagungszentrum Bethel. Den Tag geplant und gestaltet haben Eva, Sindy und Sieglinde. Alle drei sind ausgebildete Clowninnen und auch erfahrene Bibliodramatikerinnen. Eva begrüßte uns auf sehr fröhliche und humorvolle Art. Erstes Lachen ließ sich gar nicht vermeiden. Das wollten wir ja auch gar nicht, aber so schnell ist man selten in humorvolle Stimmung gelangt. Eva fragte sich natürlich, wie alle anderen auch, kann das heute gelingen? Es ist ein Versuch und mit viel Unterstützung geht es bestimmt, aber sicher nicht allein. Die drei Clowninnen begleiteten uns den ganzen Tag auf ihre eigene humorvolle Art abwechslungsreich und sehr bereichernd durch den Tag. Sie spielten sich die Bälle mit einer Leichtigkeit zu, dass wir alle einfach den Prozess nur genießen konnten.
So starteten wir mit verschiedenen „Übungen“.  Zunächst gingen wir auf einen Berg, dann zogen wir an imaginären Hosenträgern und widmeten dann unsere Aufmerksamkeit unseren Besen. Wer wäre da nicht gerne dabei gewesen. Ein Tänzchen zu der Musik aus „Die wunderbare Welt der Amelie“ war für alle eine tolle Erfahrung. Wunderbare Tanzbegleiterinnen und -begleiter.
Es folgten noch viele einzelne Aktionen, die uns immer mehr in den Prozess brachten, teils mit viel Humor. So sei an dieser Stelle die Aktion, ich nenne sie mal: „sich ein Geschenk geben“, genannt. Aus dem Nichts schuf Sieglinde ein Geschenk – eine Blume. Diese wurde weitergegeben. Der oder die Beschenkte schuf ein neues Geschenk. Nicht alle Geschenke wollte man unbedingt haben. Sicher kann man sich vorstellen, dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt waren. Was für ein Spaß. So war sicher die Spinne von der Wand ein nicht so beliebtes Geschenk, die Zigarette für den ein oder anderen, aber über die Seifenblasen freuten sich alle. Eine Aktion mit viel Erinnerungspotential – wir danken den drei Clowninnen für diese Erfahrungen.
Kurz vor der Mittagspause gab es dann erstes Erleben mit der roten Nase. Die kleinste Maske der Welt – aber die hat es in sich. Freiwillig konnte man sich die Nase aufsetzen und eine Minute damit vor dem Publikum bestehen. Ganz bei sich, mit dem Blick darauf, was macht die Nase mit mir? „Der Clown entsteht, ich muss dazu gar nichts dazutun“.

Nach dem Mittagessen wurden wir mit Musik aus Filmen mit Miss Marple im Raum begrüßt. Natürlich standen unsere besenhaften Tanzpartnerinnen und -partner schnell bereit.
Danach trafen wir uns in ausgelassener Stimmung im Kreis. Wir hatten alle Besen der verschiedensten Art mitgebracht. Sie waren Besen, aber wieder auch nicht. Was ein Besen noch so alles sein kann. Zur Musik von Miss Marple ließen wir verschiedenste Gegenstände entstehen: Bürsten, Hexenbesen, Geliebte, Spiegel, Musikinstrumente, um nur einige wenige hier zu erwähnen. Sicher braucht gar nicht gesagt zu werden, dass auch dieses eine Aktion war, die uns alle auch nachträglich noch viel Schmunzeln entlocken wird. Auch an dieser Stelle – danke für die tolle Erfahrung.
In einem nächsten Schritt kam der Bibeltext. In welchem Bibeltext kommt denn nur ein Besen vor? Die Antwort ist in Lk 15, 8-10. Das Gleichnis vom verlorenen Geldstück beschäftigte uns von nun an und fügte sich in den Tag. Wir entwickelten Standbilder für einen Fototermin, machten nochmal ein Tänzchen mit dem Besen und arbeiteten schließlich in Gruppen zu den einzelnen Versen. Bei der abschließenden Präsentation zeigten sich verschiedenste Ergebnisse auf teils humorvolle Art und Weise. Wenn drei Frauen mit roter Nase immer wieder das Geld durchzählen und nur bis 9 kommen, auch wenn schon im Umfeld nach dem Verlorenen gesucht wird, eine ihre rote Nase sucht oder die Engel sich mit oder über die Umkehrenden freuen, alles hatte seine Bedeutung und gab dem Tagungsende einen Rahmen.
Zum Schluss aber gab es noch das Finale. Die drei Clowninnen wollten den Koffer packen. Eine humorvolle Szenerie entstand mit dem Ergebnis, dass alle lachend mit Gold aus dem Koffer beschenkt wurden.
Beschenkt wurden wir auf vielfältige Weise. Gelacht haben wir viel oder auch nur stillen Humor genossen. Clownerie kann Vieles sein. Das haben wir an diesem Tag erleben dürfen, auch noch eingebettet in Bibliodrama. Es hat funktioniert.

Nach oben