Gesellschaft für Bibliodrama

Ulrike Stroh +

In einer Hängematte bin ich gelegen
schmerzfrei der Rücken sanft schaukelnd im Wind.
Wie in einer Hängematte wiege ich mich, Gott in Dir. 
       
 Ulrike Stroh

Ich habe Ulrike Stroh, evangelische Theologin und Schriftstellerin, näher kennengelernt, als sie dabei war, ihre Bibliodrama-Ausbildung zu beenden und die Licht-Klause, ein Haus für Meditation und Bibelgespräch, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Heinz geschaffen hatte, gerade fertig gestellt wurde. Wir haben uns in der Folge nach gemeinsamen Bibliodrama-Erfahrungen beide auch dem Bibliolog zugewandt und mit ersten Grundkursen in Österreich begonnen.

Sich mit der Ausbildung von Bibliologleiterinnen und -leitern in der Licht-Klause zu beheimaten, bedeutete, dass dieser kreative Zugang zu biblischen Texten sich an einem besonderen Ort offener Spiritualität und innerer Freiheit entfalten konnte. Viele Jahre hindurch hat der Bibliolog dort Heimat gefunden und ist nach wie vor mit diesem Haus verbunden. Ulrike hat als Trainerin des Anfangs den Bibliolog und sein Wurzelschlagen in Österreich mit besonderen Begabungen bereichert. Sie hat mit ihrer unverwechselbaren Haltung Klarheit, Entschiedenheit und Konsequenz, Humor und Spritzigkeit, aber auch Sanftmut, Vertrauen und eine große Gelassenheit walten lassen, wenn es um Ausbildungsfragen ging. Bedeutsam und einzigartig war aber ihre spirituelle Grundhaltung mit der sie sich dem Bibliolog zuwandte und durch die es ihr gelang, Menschen, Texte und Gott gemeinsam in der Begegnung zum Klingen zu bringen.

Ulrike Stroh war eine zarte Frau, voll besonnener Aufmerksamkeit, die sie allzeit konzentriert auf ihr Gegenüber lenkte. Sie konnte entschieden und direkt sein, zugleich war sie zärtlich, voller leichter Fröhlichkeit und liebevoll. Sie hat immer ans Gute geglaubt, sich die großen Zusammenhänge vergegenwärtigt und lachend dem, was geschehen ist, einen dahinterliegenden Sinn abgetrotzt. Ihr Sinn für Schönheit und ihre Extravaganz haben ihrer Großzügigkeit und Bescheidenheit keinen Abbruch getan. Sie hat es geliebt, das Leben: die Natur, die Menschen und alle Lebewesen, den körperlichen Ausdruck, die künstlerischen Zugänge – allen voran die Kunst des Schreibens. Sie war eine Bahnbrecherin, feministische Theologin der besonderen Art, politisch wachsam, bodenständig im Alltag und voller spiritueller Tiefe und Leichtigkeit zugleich.  Mut, subtile Widerständigkeit und Tatendrang, aber auch vor allem die Lust und das Genießen haben ihr Leben ausgezeichnet. Sie beherrschte die Kunst des Loslassens, des Sich-Anvertrauens an das große Ganze, in dem sie sich aufgehoben und geborgen wusste.

Wir werden sie vermissen: innerhalb der Bibliologszene, in der Grazer Peergruppe, als Weggefährtin, Freundin, als eine Frau, die gelebt hat, dass Kraft und Zärtlichkeit, machtvolles Wirken und Hingabe zusammengehen, weil sie zwei Seiten ein und derselben Medaille sind.

Möge sie uns im sanften Wiegen, Klingen, Schwingen und Tönen von der jenseitigen Welt her nahe sein.

Maria Elisabeth Aigner